Ich möchte euch heute einmal aus meiner langjährigen Erfahrung als Freiberufler und Selbstständiger berichten und die Frage beantworten:

Soll man auch mal Arbeiten außer eigene Projekte kostenlos machen, um an Folgeaufträge zu gelangen oder um an „Referenzen“ zu bekommen?

Kurze Antwort: NEIN!

Jeder Handwerker, Arzt oder Beamte bekommt seinen Lohn. Warum sollen Freiberufler Ihre Dienstleistungen und Produkte kostenlos abgeben?

Weil eine Homepage, ein Video, Texte oder Digitale Fotos ja kein „richtiges Produkt“ sind? Das ist falsch und nicht so schon lange nicht mehr tragbar! Es ist eine Leistung, die viel Zeit und lang erarbeitete Fähigkeiten beansprucht.

Folgeaufträge und Empfehlungen sind ein beliebtes Argument, um Freiberufler und Selbstständige zum kostenfreien Arbeiten zu ködern. Aber ich versichere Euch, dass Ihr keinen Folgeauftrag bekommen werdet, wenn Ihr erst einmal für einen Auftraggeber umsonst gearbeitet habt.

Obwohl es natürlich passieren kann, dass ein Auftraggeber später einen bezahlten Job vergibt. Zu welchen Bedingungen wird dieser ausgehandelt? Wer einmal etwas umsonst bekommen hat, ist schwer davon zu überzeugen, Folgeleistungen auch fair zu vergüten. Der Selbstständige/Freiberufler hat schon signalisiert, dass er entweder total verzweifelt ist, einen bezahlten Job zu bekommen, oder dass ihm seine Zeit nicht viel wert ist. Diese Auftraggeber suchen sich vielmehr für Folgeaufträge den nächsten Dummen der umsonst arbeitet.

Referenzen und Aufmerksamkeit

Natürlich schindet eine Liste mit großen Namen, für die man schon gearbeitet hat, Eindruck. Zum Teil sind diese Listen teuer bezahlt mit Selbstausbeutung und einem „warmen Händedruck“ vom Auftraggeber. Wer Aufträge umsonst bearbeitet, sollte neben den echten Referenzlisten lieber eine „Meine Spende ging an folgende Firmen“-Liste aufmachen.

Die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen und potentiellen Auftraggebern ist sehr gering. Es gibt kaum Folgeaufträge und schon gar nicht so gut bezahlte, dass man damit die kostenfreie Arbeit mitfinanzieren könnte! Wer gewohnt ist, nichts zu bezahlen, sucht sich beim nächsten Auftrag eine neue kostenlose Arbeitskraft.

Fazit

Wir kennen alle gut ausgebildete Menschen, die von Praktikum zu Praktikum hangeln, mit einer möglichen Festanstellung geködert werden und ihre Arbeitskraft verschenken.

Deswegen gilt dieser Bericht gerade Einsteigern und Semi-professionellen:

Lasst Euch eure Mühe, euer Wissen und eure Arbeitskraft bezahlen!

Langfristig hat niemand etwas von der „Geiz ist geil“ Mentalität! Selbstständige und Freiberufler können von ihrer Arbeit kaum leben und hetzten von Auftrag zu Auftrag. Kunden bekommen minderwertige Qualität, weil Zeit und Budget nicht reichen um hochwertige-Produktionen abzuliefern.

Es ist oft besser keinen Deal abzuschließen als einen schlechten.